Homöopathie

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Homöopathie2018-11-02T11:40:13+00:00

Die Homöopathie ist eine Wissenschaft, die nach feststehenden Prinzipien akute und chronische Krankheiten zu heilen vermag. Das Wort Homöopathie stammt aus dem Altgriechischen und setzt sich aus den Begriffen „hómoios = ähnlich“ sowie „páthos = Leid“ zusammen und bedeutet demnach so viel wie „ähnliches Leid“.

Die Prinzipien der Homöopathie

Aufgrund seiner jahrelangen Beobachtungen und Experimente, wie u.a. des bekannten Chinarinden-Selbstversuchs (siehe Arzneimittelprüfung weiter unten), formulierte der deutsche Arzt Dr. Samuel Hahnemann vor rund 220 Jahren das folgende Naturgesetz und gilt damit als Begründer der Homöopathie:

Similia similibus curentur
Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden

Schon den frühen Ärzten Hippokrates und später Paracelsus war dieses Gesetz bekannt, jedoch war Hahnemann der Erste, der es zu einer Heilmethode weiterentwickelte: Eine Arznei, die bei (entsprechend häufiger) Verabreichung an einen Gesunden ein Symptomenbild hervorruft, vermag ähnliche Symptome bei einem Kranken zu heilen.

Am Anfang steht die Lebenskraft. Ein gesunder Mensch, der in Harmonie mit sich und seiner Umwelt lebt, zeichnet sich durch eine starke Lebenskraft aus. Ein kalter Wind, ein Streit oder eine schlechte Nachricht kann dieser nichts anhaben. Die Lebenskraft ist Energie. Eine Vitalität, die alle Funktionsabläufe in uns steuert. In jeder lebenden Zelle steckt Lebenskraft: ein Grund, warum Homöopathie auch bei Tieren und Pflanzen wirkt. Ohne Lebenskraft sind wir tot.

The vital force - a carrouselGedanken und Gefühle regeln unseren gesamten Stoffwechsel. Wir alle kennen die Reaktionen unseres Körpers auf akuten Stress wie z.B. Lampenfieber. Auch Dauerstress, Zorn, Angst, Widerspruch, Überbelastung und vieles mehr lässt uns negativ reagieren und schwächt die Lebenskraft. Erste Reaktionen zeigen sich im Inneren, auf der Gemütsebene. Je nach Empfindlichkeit reagieren wir gereizt oder werden traurig, wir ertragen keine Musik, keinen Lärm mehr, der Schlaf leidet. Nun haben Bakterien, Viren und Pollen ein leichtes Spiel: Wir werden anfällig, denn unser Schutzschild Lebenskraft weist Risse auf.

Krankheit entsteht nie aus dem Nichts heraus, sondern ist immer ein Prozess. Wenn wir krank sind, summieren sich die subtilen, immateriellen Symptome erst mit der Zeit und werden spürbarer, z.B. in Form von Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen, Rückenschmerzen, plötzlichen Allergien oder Haarausfall. Diese Symptome sind nur die Früchte der Krankheit und zeigen unsere innere Disharmonie, denn begonnen hat alles viel früher, auf der immateriellen, dynamischen Ebene. Folglich muss hier angesetzt werden. Die Lebenskraft muss wieder gestärkt werden. Dies geschieht durch das passende, potenzierte Arzneimittel.

In der Homöopathie wird jeder Mensch als Individuum wahrgenommen. Als wichtigstes Werkzeug gilt die Anamnese, die Erfassung der Leidensgeschichte durch das Gespräch mit dem Patienten. Besonders bedeutend sind dabei die Geistes- und Gemütssymptome. Zusammen mit dem körperlichen Befinden ergibt sich ein Symptomenkomplex. Erst nach einer genauen Fallaufnahme und der anschliessenden Analyse kristallisiert sich ein Arzneimittelbild heraus, das auf Ihren gegenwärtigen Zustand, Ihre sogenannte Konstitution passt. Deshalb kann das entsprechende homöopathische Mittel, das Ihnen geholfen hat, nicht auch Ihrem Nachbarn helfen, denn wie Hahnemann schon sagte: Es wird der kranke Mensch behandelt und nicht seine Krankheit. Auf diesem Fundament basiert die Homöopathie.

In seinem bekannten Chinarinden-Selbstversuch hat Hahnemann sich absichtlich mit Chinarinde vergiftet und somit die erste Arzneimittelprüfung der Homöopathie durchgeführt: Er notierte sich sorgsam alle Symptome und stellte fest, dass die Substanz ähnliche Reaktionen am gesunden Körper hervorrief, wie sie das gefürchtete Wechselfieber (Malaria) verursachte.

Eine Arzneimittelprüfung wird innerhalb einer Gruppe von gesunden Menschen im Rahmen einer Doppelblindstudie über mehrere Wochen und Monate durchgeführt. Dabei geht es im Prinzip um eine kontrollierte „Vergiftung“ mit einer den Prüflingen unbekannten Substanz. Jedes noch so klein erscheinende Symptom auf der Gemüts- oder Körperebene wird sorgfältig in Protokollen notiert und anschliessend nach bestimmten Kriterien ausgewertet. Da in der Homöopathie vor allem auf die Gemütssymptome Wert gelegt wird, hat es keinen Sinn, Tierversuche zu unternehmen.

Homöopathische Arzneimittel stammen aus dem Pflanzen- und Tierreich. Es werden unter anderem Mineralien und Metalle sowie Produkte aus krankhaftem und pathologischem Material von Menschen, Tieren und Pflanzen verwendet.

In dem Bestreben, seine Patienten möglichst schonend zu behandeln, suchte Hahnemann nach einer Methode, die Giftwirkung seiner Arzneien zu reduzieren.

Im mehreren Schritten verdünnte, also „entgiftete“ er die Arzneien mit Wasser und Alkohol und verschüttelte sie anschliessend. Hahnemann entdeckte hierbei, dass er den Arzneien mit jedem Vorgang, mit dem er ihre Substanz nahm, mehr Energie zuführte . Die giftigsten Stoffe verloren so ihre materielle Wirkung und entfalteten ihren verborgenen Charakter und ihre volle dynamische Kraft.

manufactering homoeopathic remedy

Bis heute werden homöopathische Arzneimittel nach diesem Prinzip in äusserst sorgfältiger Arbeit, meist Handarbeit, hergestellt. Die Buchstaben und Zahlen hinter den Arzneinamen stehen für den Grad deren Potenzierung, z.B. D = 1:10, C = 1:100, M = 1:1’000, XM = 1:10’000.

Herstellung von Arnica C30: Indem ein Teil der Auszugssubstanz (Urtinktur) mit 99 Teilen Trägersubstanz (arzneilicher Alkohol) vermischt und mit 10 Schüttelschlägen potenziert wird, entsteht die Potenz Arnica C1. Werden ein Teil von C1 und 99 Teile Trägersubstanz wiederum vermischt und mit 10 Schüttelschlägen potenziert, ergibt dies C2 und so weiter bis C30. Um Arnica C30 in Globuli-Form zu erhalten, werden Rohrzuckerkügelchen mit dem flüssigen Arnica C30 beträufelt (imprägniert).

Der klassische Homöopath setzt nur Einzelmittel zur Behandlung seiner Patienten ein. Seine Aufgabe ist es, das für die entsprechenden Symptome passendste Mittel zu eruieren, also dasjenige, das bei Gesunden die ähnlichsten Symptome hervorruft.
In der Drogerie wird Kunden heute eine grosse Auswahl an sogenannten Komplexmitteln geboten, mehrere Einzelmittel vermischt zu einer Arznei. Solche Komplexmittel sind z.B. erhältlich gegen Erkältung, Heuschnupfen, Schlafstörungen und vieles mehr.

Diese Mittel kommen allerdings einem Schrotschuss gleich, frei nach dem Motto „eines wird schon treffen“. Die Lebenskraft benötigt aber nur einen Impuls, eine Stimulation. Durch mehrere Impulse wird sie nur verwirrt.

remedy in small pelletsWenn wir mehrere Dinge zu erledigen haben, müssen wir auch eine Entscheidung treffen, mit welchem wir anfangen. Tun wir dies nicht, endet es im Chaos. Wenn wir aber homöopathisch handeln, entscheiden wir uns für das passendste Arzneimittel und beobachten und bewerten die Reaktionen. Dies braucht Wissen und Verständnis über die Heilwirkungen des Arzneimittels und die Gesetzmässigkeiten der Homöopathie.

In der Schulmedizin wirken Medikamente auf der stofflichen Ebene und müssen regelmässig eingenommen werden, um ihre Wirkung beizubehalten. Ihre Dosierung richtet sich nach Alter und Gewicht und muss genau eingestellt werden, um Vergiftungserscheinungen zu vermeiden. Es wird nur lokal auf die Symptome gezielt. So kann sich beispielsweise ein Patient mit Reizdarm-Syndrom mittels Tabletten möglicherweise ein paar Stunden Ruhe verschaffen, doch das eigentliche Problem ist damit nicht gelöst, und die Symptome kehren zurück; die Ursache ist nicht behoben.
In der Homöopathie geht es auch um die Qualität des Heilmittels. Welche Kraft, welche Dynamik besitzt es? Deshalb ist die Dosierung nicht vom Gewicht oder Alter abhängig. Es gilt zu erkennen, wie geschwächt die Lebenskraft ist, um ihr den entsprechenden Impuls zu verleihen. Die Heilung beginnt auf der Gemütsebene. Gelingt es beispielsweise, dass der Patient mit Reizdarm-Syndrom sich generell entspannter und ruhiger fühlt, verlieren die Symptome mit der Zeit an Bedeutung und gehen damit auch zurück oder verschwinden ganz.

Nach jahrelangen praktischen Erfahrungen mit der Homöopathie stellte Hahnemann fest, dass bestimmte chronische Krankheitsverläufe homöopathisch nicht zu heilen waren. Während zwölf Jahren erforschte und verglich Hahnemann daraufhin penibel die Krankengeschichten seiner Patienten und ihrer Familienangehörigen und erkannte dabei Zusammenhänge zwischen den scheinbar unterschiedlichsten Krankheitssymptomen. So kam er zu dem Schluss, dass eine grundlegende Schwäche bestimmte Menschen anfällig mache für bestimmte Krankheiten. Nach seiner Theorie lag diesen chronischen Krankheiten ein „Miasma“ zugrunde, was auf Griechisch so viel wie „Verunreinigung, Befleckung“ bedeutet .

Hahnemann definierte drei Miasmen, die er Psora, Sykose und Syphilinie nannte. Die Psora (griech. Juckreiz) stellte er in Zusammenhang mit der Krätze, die Sykose mit dem unterdrückten Tripper und die Syphilinie mit der unterdrückten Syphilis. Die Psora bezeichnete er als das „Ur-Übel“, die Mutter aller Miasmen und grundlegende Ursache aller akuten und chronischen Krankheiten. Zwischenzeitlich wurde noch ein viertes Miasma, die Tuberkulinie als Folge von unterdrückter Tuberkulose, mitaufgeführt. Die Tuberkulinie ist eine Kombination aus der Psora und der Syphilinie.

Schon vor über 200 Jahren, ohne die heutigen Kenntnisse der Genetik, erkannte Hahnemann also, dass jeder Mensch eine Disposition für gewisse Symptomenkomplexe hat, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Hahnemann geht es dabei nicht um Krankheitsnamen selbst, sondern um die Symptome: so wird z.B. die Neigung zur Geschwulstbildung weitergereicht (Sykose) oder die Disposition für Krankheiten mit Strukturzerstörung (Syphilinie).

Mittlerweile ist die Forschung so weit fortgeschritten, dass Hahnemanns Gedanken bestätigt werden können. Durch z.B. Cortison oder Zink unterdrückte Hautausschläge können im Körper weiterwandern und mit der Zeit Neurodermitis, Asthma bronchiale oder Allergien hervorrufen. Oberflächlich betrachtet sind dies unterschiedliche Krankheiten, die aber alle zum sogenannten atopischen Formenkreis gehören und sich auch abwechseln können.
In der Miasmenlehre bedeutet dies z.B., dass ein Kind einen Heuschnupfen entwickeln kann, wenn ein Elternteil eine starke Hautallergie hatte; es hat die Disposition dazu, und eine Schwächung der Lebenskraft reicht, dass der Heuschnupfen plötzlich ausbricht.

Die Arzneimittellehre beinhaltet auch das Studium der Miasmen. Jedes homöopathische Arzneimittel ist bezüglich der verschiedenen Miasmen unterschiedlich stark ausgeprägt. Der Homöopath hat das aktive und das latente Miasma des Patienten zu erkennen und in seinen Überlegungen zur Arzneimittelwahl mit einzubeziehen.

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